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Aus dem Nähkästchen geplaudert...

Petra Hofer
Dies & Das

Gestern habe ich in auf Instagram gefragt, wer mir das Skaten denn wohl so zutraut. Das Ergebnis war dann doch eindeutig: 45 % glaubten immerhin, dass ich skaten kann, 55 % trauten es mir eher nicht zu. 

Ich finde es wirklich großartig, dass so viele Menschen mir so viel zutrauen, aber letztendlich haben doch die 55 % Recht, dass ich nicht Skaten kann. Mein diesbezüglicher Versuch muss mehr als 30 Jahre zurückliegen und ich erinnere mich an eine sehr kurze Fahrdistanz (also wirklich kurz!!!)  und einen mehr als schmerzhaften Abstieg vom Board meiner Freundin aus Kinder- und Jugendtagen, die hingegen doch wesentlich mehr Talent darin besaß. Dieser Grobmotorik noch schmerzlich bewusst, konnte ich jegliches Verlangen eines erneuten Versuchs beim Fotoshooting unterdrücken,-  wohlwissend, dass nach diesem Teil noch die Fotos im Kleid und mit Higheels bevorstanden. 

Aber auf den Fotos sieht es immerhin (fast) so aus, als wenn ich’s könnte! Viele Dinge können wir lernen, wenn wir a) wollen und b) immer wieder trainieren. Ich trainiere gerne meine Schwächen. Fotos von mir zu machen gehörte übrigens vor einigen Jahren auch dazu! Ich kenne das Gefühl, Fotos von mir zu sehen und mich darauf nicht wohl zu fühlen. Und nicht zu wissen, wie ich denn gucken soll, wenn eine Kamera auf mich gerichtet wird und dann entsprechend blöd zu gucken. Das wurde besser, je öfter ich es machte! Als ich vor 15 Jahren begann, über das Nähen zu bloggen, folgten schnell die ersten Bilder von mir in Selbstgenähtem, die ich ins Netz stellte. Erst mit großem Unbehagen und voller Selbstkritik (teilweise mit abgeschrittenen Kopf), später dann mit wachsendem Selbstbewusstsein. Manche Bilder waren o.k., manche gefielen mir besser. Irgendwann wusste ich, wie ich mein Lachen mag. Ich hab‘s geübt - vor dem Spiegel und vor der Kamera. Mein Mann nennt es liebevoll mein Instagram-Lächeln. Trotzdem war ich nicht mit jedem meiner Fotos im Einklang, wusste aber auch nicht, woran es lag. Das änderte sich, als ich mich immer mehr mit meinen Farben auseinandersetzte! Plötzlich war mir glasklar, was mich zum Strahlen bringt und was mir selber an mir gefällt! Und damit gefielen mir auch immer mehr Fotos von mir! Das alles hätte sich aber nicht verändert, wenn ich (bzw. Andere) nicht immer wieder Fotos von mir gemacht hätten. Es war ein Prozess, - und zwar ein sehr lohnender. Selbstbewusstsein heißt, seiner selbst bewusst zu sein. Das kommt nicht über Nacht, aber ich möchte Dich ermutigen, daran zu arbeiten, wenn es Dir auch so geht. 
Heute kann ich sagen: ich mag mich auf Fotos! Fotos machen macht sogar richtig Spaß! Das war nicht immer so. Aber ich hab‘s gelernt. Und ja: wir können zwar Vieles lernen, aber das Skaten überlasse ich doch anderen. Dieser Punkt ist mir persönlich für meine Lebensagenda nicht so wichtig. Vorher habe ich noch ein paar andere Baustellen anzugehen. 

Was ist Deine „Baustelle“? Auch Fotos von Dir selbst? 

Fotograf: Thorsten Kahle