Manche Nähprojekte entstehen nebenbei. Schnell zugeschnitten, schnell genäht, schnell getragen. Und dann gibt es diese anderen. Die, bei denen man schon vorher weiß: Das wird kein „mal eben“. Das wird Zeit brauchen. Ruhe. Und ein bisschen Geduld. Ich habe diesen Blazer #collarfair nicht an einem Nachmittag genäht – sondern in Etappen. Mit Pausen, mit Auftrennen und mit genau dem Gefühl: Das darf dauern. Mein neuer Blazer gehört genau in diese Kategorie. Diesen Blazerschnitt haben wir bei Pepelinchen in den letzten Monaten des Onlineshops so häufig verkauft – und genauso lange lag er auch auf meinem persönlichen „To-Sew-Stapel“.
Doch ich wusste: Dafür brauche ich nicht nur Zeit, sondern auch Ruhe. Denn genau dann macht Nähen richtig Spaß!

Ich glaube, wir kennen es alle: Manchmal möchte man einfach schnell etwas nähen. Ein Projekt, das direkt fertig ist, vielleicht noch am selben Tag getragen werden kann.
Fast Sewing eben.
Für das schnelle Erfolgserlebnis, das wir zwischendurch einfach auch einmal brauchen.
Ich hoffe dabei immer, dass diese schnellen Projekte nichts mit dem Fast Fashion-Gedanken zu tun haben – also Kleidung, die nur kurze Zeit getragen wird. Manchmal allerdings frage ich mich das schon, wenn in einem Tempo immer wieder Kleidungsstücke "von der Nadel hüpfen". Wie oft werden diese wohl getragen?
Dann gibt es diese anderen Projekte. Die, bei denen man sich bewusst Zeit nimmt. Schritt für Schritt arbeitet. Vielleicht auch mal eine Naht wieder auftrennt, weil sie einfach noch nicht so sitzt, wie sie soll. (Und ja – ich habe bei diesem Projekt mehrere Nähte wieder aufgetrennt. Aber es hat sich absolut gelohnt!)
Slow Sewing.
Für mich war dieser Blazer genau das. Ein Projekt, bei dem nicht das schnelle Ergebnis im Vordergrund stand, sondern der Weg dorthin. Es ist für mich ein besonderes Stück - verbunden mit besonderen Momenten - sowohl beim Nähen, als auch vom Material her, beim ersten Tragen und beim Wohlfühlen in diesem Stück!

Der Stoff – ein kleiner Ausblick auf den Winter
Der Blazer ist aus einem Baumwollstoff mit Elasthan im Leo-Print genäht – aus der kommenden Winterkollektion von PS Fashion Fabrics – selected by pepelinchen.
Und ja: Dahinter verbergen sich genau die Stoffe, bei denen mein Nähherz kurz hüpft. Die, bei denen ich sofort Ideen im Kopf habe. Ein Stoff, der ins Auge fällt – und gleichzeitig unglaublich vielseitig ist. Durch den Elasthan-Anteil trägt er sich angenehm und macht jede Bewegung mit. Perfekt also nicht nur für Blazer, sondern auch für Hosen. Aktuell ist der Stoff für Händler vorbestellbar und wird schon bald in den Läden zu finden sein. (Art.-Nr. 410142)
Und genau das mag ich so daran: Man näht nicht nur ein Kleidungsstück – man arbeitet schon ein kleines Stück in die kommende Saison hinein.

Der Blazer – ein echtes Herzensprojekt
Genäht habe ich den Blazer „Collarfair“, entworfen von Frau Marzi. Ein Schnitt, der klar und modern ist – und gleichzeitig genug Raum lässt, ihn je nach Stoffwahl immer wieder neu zu interpretieren. Das Schnittmuster gibt es sowohl als Papierschnitt als auch als E-Book direkt bei ihr. Ich selbst habe den Blazer in der Länge angepasst und auf meine Körpergröße von 178 cm abgestimmt. Dafür habe ich an den eingezeichneten Sperrlinien insgesamt 3 cm (2 cm in der Taille und 1 cm an der Sperrlinie unten) hinzugefügt.
Den kompletten Blazer habe ich mit Vlieseline G785 verstärkt. Das gibt dem Stoff etwas mehr Stand, ohne ihn zu steif wirken zu lassen. Für dieses Projekt fand ich die Kombination genau richtig.
👉 Wenn du den Blazer auch nähen möchtest:
Plane dir wirklich bewusst Zeit ein – gerade für die Einlage und die Passform. Es lohnt sich, hier sauber zu arbeiten (und notfalls auch mal eine Naht wieder zu öffnen). Genau diese Schritte machen am Ende den Unterschied.

Getragen auf der h+h Cologne
Seinen ersten „Auftritt“ hatte der Blazer direkt auf der h+h Cologne. Ein ganz besonderer Moment für mich. Denn am Samstag habe ich bei PS Fashion Fabrics einen Vortrag zum Thema Social Selling gehalten – und da wollte ich natürlich ein besonderes Kleidungsstück tragen.
Viele Händlerkolleginnen und auch einige Blogger waren vor Ort, und ich habe mich sehr gefreut, so viele wiederzusehen und mich auszutauschen – auch wenn ich selbst nicht mehr aktiv im Stoffgeschäft tätig bin. Köln ist für mich jedes Jahr wieder ein Ort der Begegnung. Mit einem ganz besonderen Wir-Gefühl. Kein Konkurrenzdenken, kein „Hauen und Stechen“. Und das ist alles andere als selbstverständlich. Ich mag das sehr!
Neben vielen Händlerkollegen habe ich auch einige kreative Blogger wieder getroffen – so auch Bettina (sie zeigt ihre Nähwerke regelmäßig auf ihrem Instagram-Account hier). Auf den Fotos siehst du sie in dem gleichen Leo-Stoff, aber ganz anders interpretiert: als Hose. Und genau das zeigt wieder, wie vielseitig dieser Stoff ist.
Je nachdem, wie man ihn einsetzt, entsteht ein komplett anderer Look. Ich liebe solche Möglichkeiten. Und wie sagte Bettina anschließend: „Ich glaube, ich brauche zu der Hose noch einen Blazer.“
Soll ich verraten, dass mir ein ganz ähnlicher Gedanke zur passenden Hose durch den Kopf ging? Oder ist das dann too much Leo? Gibt es das überhaupt?
Mein Fazit
Dieser Blazer war kein schnelles Projekt. Aber genau das war richtig. Manchmal darf Nähen langsam sein. Bewusst. Detailverliebt. Mit kleinen Umwegen. Und am Ende steht nicht nur ein Kleidungsstück, sondern auch dieses Gefühl: Ich habe mir dafür Zeit genommen.
Ich freue mich nun auf viele weitere "Einsätze" dieses Blazers und damit verbunden Momente, an die ich mich gerne erinnere.
Und jetzt bin ich neugierig:
Nähst du eher schnell – oder liebst du solche Slow-Sewing-Projekte?
