Wenn ich ehrlich bin: So hatte ich mir den Januar nicht vorgestellt.
Meine Pläne waren ambitioniert, meine Ziele klar. Ich wollte das Jahr ganz entspannt mit einem Urlaub auf Madeira beginnen – wandern, Städte entdecken, lesen. Mit genau dieser Aussicht habe ich auch meine persönliche Bucket List für 2026 geschrieben).
Und dann kam das Leben dazwischen. Oder besser gesagt: die sprichwörtliche Hexe, die meinem Mann in den Rücken geschossen hat.
Unsere Pläne mussten wir ändern – nicht ohne Enttäuschung und Wehmut. Plötzlich ging es wieder viel mehr um die Frage: Was geht gerade? Davon habe ich einiges umgesetzt, manches allerdings mit weniger Elan als gedacht.
Eine Sache jedoch hat überraschend gut funktioniert: Lesen.
Bücher waren mein Rückzugsort, meine kleine Pause vom Müssen, Denken und Planen. Sie haben mir Raum gegeben – ohne Erwartungen, ohne Druck. Kleine Fluchten, die genau richtig waren.
In diesem Monatsrückblick geht es deshalb nicht um Zahlen, Erfolge oder Häkchen auf einer Liste, sondern um Geschichten. Um die Bücher, die mich durch den Januar begleitet haben. Vielleicht findest du hier auch ein wenig Inspiration für deine eigenen kleinen Auszeiten.
Es waren keine anspruchsvollen literarischen Werke, sondern eher jene Bücher, die man im Buchladen vermutlich im Regal Frauenliteratur findet. Unterschiedlich, nachdenklich, bewegend – und teilweise auch spannend. Hier kommen sie:
Es waren Bücher zum Abtauchen. Zum Mitfühlen. Zum kurz woanders sein.
Keine schweren literarischen Brocken, sondern Geschichten, die tragen, begleiten und manchmal auch nachhallen.
Zeit zu verzeihen – Hera Lind *
Die Bücher von Hera Lind hatte ich lange in die Ecke „leichte, seichte Frauenliteratur“ gesteckt. Wenn ich ihren Namen hörte, dachte ich eher an ihre früheren Werke. Umso überraschter war ich, als ich festgestellt habe, dass sie ihr Genre komplett verändert hat. Heute schreibt sie Romane auf Basis wahrer Lebensberichte – Geschichten, die ihr vor allem Menschen älterer Generationen anvertrauen. Auch dieser Roman beruht auf solchen wahren Schicksalen, die Hera Lind geschickt miteinander verwebt.
Und ich muss gestehen: Das Buch hat mich sehr bewegt. Denn auch wenn wir heute um das Unrecht der Kriegszeit wissen – und, wie in diesem Buch ebenfalls thematisiert, um das Unrecht der Stasi – können wir uns das tatsächliche Leid kaum vorstellen.
In der Geschichte geht es um Liebe und um Verrat.
Clara wird als Säugling auf der Flucht ihrer Mutter aus den Händen gerissen und auf einer Bahnhofstoilette zurückgelassen. Zum Glück wird sie dort von einer Frau gefunden, die sie aufnimmt und als ihr eigenes Kind ausgibt. So wächst Clara in der ehemaligen DDR auf, während ihre leibliche Mutter in einem sibirischen Arbeitslager landet.
Jahrzehnte später soll Viktor, selbst Kind einer Spätaussiedlerin und in Westdeutschland lebend, Clara ausfindig machen – und verliebt sich dabei in sie. Clara beschließt, aus der DDR zu Viktor zu fliehen. Doch sie wird verraten und landet im Frauengefängnis.
Dieses Buch hat mich tief gefesselt und stellenweise von einer Ohnmacht in die nächste geführt – mit vielen Gänsehautmomenten. Besonders beeindruckt hat mich, dass die Frauen in dieser Geschichte ihre Hoffnung auf ein Wiedersehen immer wieder als Kraftquelle genutzt haben. Als Grund, weiterzumachen. Zu überleben. Und letztlich auch zu verzeihen – nicht für andere, sondern für sich selbst.
Nach dem ersten Buch von Hera Lind habe ich direkt zum nächsten gegriffen – obwohl ich das eigentlich selten mache. Zwei Bücher derselben Autorin direkt hintereinander zu lesen, ist sonst nicht so mein Ding. Doch diese Geschichte hat mich nicht losgelassen.
„Um jeden Preis“ erzählt von einer Familie, die nach dem Krieg in ein Arbeitslager nach Sibirien verschleppt wird. Der Vater landet in Westdeutschland. Als jede Hoffnung schwindet, dass seine Frau und die Kinder noch am Leben sind, beginnt er ein neues Leben – ohne zu wissen, dass seine Familie all die Jahre unter unmenschlichen Bedingungen in Sibirien überlebt.
Dieses Buch ist intensiver, dramatischer und stellenweise sehr aufwühlend. Es beschreibt die Schicksale der sogenannten Russlanddeutschen und macht spürbar, was diese Menschen erlebt haben. Nicht nur als historische Tatsache, sondern als menschliches Leid, das sich kaum in Worte fassen lässt.
Auch dieser Roman zeigt eindringlich, was wir nicht vergessen dürfen:
Kriege sind immer grausam. Und ihre Folgen reichen oft weit über das hinaus, was wir aus Geschichtsbüchern kennen.
Der Weg nach Hause – Sofia Lundberg *
Nach den ersten beiden Büchern brauchte ich dringend einen Wechsel. Einen anderen Ton, mehr Leichtigkeit – zumindest im Gefühl. Von Sofia Lundberg hatte ich in den letzten Jahren bereits „Das rote Adressbuch“ * und „Wo wir uns trafen“ * gelesen, beide haben mir sehr gut gefallen. Umso schneller griff ich zu, als ich dieses Buch im Bücher-Outlet entdeckt habe.
„Der Weg nach Hause“ ist ein leises, tiefes Buch. Es erzählt von Herkunft, Verlust und Zugehörigkeit – und davon, dass „Zuhause“ nicht immer ein Ort ist, sondern manchmal ein Mensch, eine Erinnerung oder eine offene Frage. Die Geschichte spielt in Schweden.
Viola, die dort seit Kindertagen lebt, erhält eines Morgens einen Anruf von ihrer Freundin aus Jugendtagen. Lilly teilt ihr mit, dass sie sterben wird. Noch am selben Tag beschließt Viola, gemeinsam mit ihren Töchtern und ihrer Enkelin nach Paris aufzubrechen, um Lilly zu finden.
Denn Lilly schuldet ihr eine Antwort – eine, die Viola bis heute nicht losgelassen hat: Warum ist Lilly damals so plötzlich verschwunden? Warum hat sie nie wieder Kontakt aufgenommen?
Sofia Lundberg erzählt diese Geschichte feinfühlig und warm, mit viel Raum für Zwischentöne. Es ist kein Buch, das man hastig verschlingt, sondern eines, das man mitnimmt – über die letzte Seite hinaus. Eine traurig-schöne Geschichte, die am Ende zeigt, dass sich Dinge selbst nach vielen Jahren noch verändern und neu fügen können.
Home, Sweet Home – Joy Fielding *
Nach den leisen, emotionalen Geschichten war mir nach Spannung. Nach einem Buch, das einen packt und nicht mehr loslässt. Und plötzlich fragte ich mich: Wie konnte ich Joy Fielding eigentlich all die Jahre vergessen? Als junge Erwachsene habe ich einige ihrer Bücher verschlungen – und dann, bestimmt 30 Jahre lang, keines mehr von ihr gelesen.
Umso schöner war es, dieses alte Lesegefühl sofort wiederzufinden.
„Home, Sweet Home“ beginnt harmlos, fast alltäglich. Eine Sackgasse mit Häusern, in denen verschiedene Familien leben – scheinbar ganz normal, mit geordneten Verhältnissen. Doch Stück für Stück öffnet sich der Blick hinter die Fassaden. Man lernt die einzelnen Schicksale kennen, die Spannung wächst, das Unbehagen schleicht sich ein. Denn es ist etwas passiert. Ein Mord. Nur weiß man lange nicht, wen es trifft – und genau das macht dieses Buch so fesselnd.
Mit jeder Seite wird das Gefühl stärker, dass nichts so ist, wie es scheint. Das Buch lässt sich kaum aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen will, was wirklich geschehen ist.
Also … nur noch ein Kapitel. 😊
Du findest mich am Ende der Welt – Nicolas Barreau *
Paris – eine Stadt der Liebe und der Sehnsucht. Und immer wieder Schauplatz der Romane von Nicolas Barreau, der diese Stadt so liebevoll und selbstverständlich in seine Geschichten einwebt. Paris ist bei ihm nicht nur Kulisse, sondern fast eine eigene Figur.
Eines Morgens findet der Galerist Jean-Luc Champollion einen Liebesbrief in seinem Briefkasten. Von wem stammt er? Und wer ist diese Unbekannte, die so berührend mit Worten umgehen kann – Worte, die ihn mitten ins Herz treffen? Dem Brief liegt eine anonyme E-Mail-Adresse bei, und so beginnt eine romantisch-neugierige Korrespondenz, die Jean-Luc nicht mehr loslässt. Doch die Unbekannte ist gar nicht so unbekannt. Eigentlich kennt er sie. Und doch kennt er sie nicht wirklich. Denn manchmal verdeckt das Offensichtliche den Blick auf das Wesentliche – und die Oberfläche den Zugang zu den Tiefen des Herzens.
Eine romantisch-schöne Liebesgeschichte mit Happy End. Genau das richtige Buch, um diesen Lese-Monat sanft ausklingen zu lassen.
Dieses Lesen war für mich mehr als nur Unterhaltung. Es war ein Wiederentdecken.
Von Ruhe. Von Zeit für mich. Von Geschichten, die nichts von mir wollten – außer, dass ich da bin.
Ich wünsche mir, dass das Lesen auch in den kommenden Wochen und Monaten wieder einen festen Platz bekommt. Und vielleicht war dieser Beitrag ja auch für dich eine kleine Erinnerung daran, wie gut Bücher tun können.
Es war für mich mehr als nur Unterhaltung. Es war ein Wiederentdecken. Von Ruhe. Von Zeit für mich. Von Geschichten, die nichts von mir wollten – außer, dass ich da bin.
Ich wünsche mir, dass das Lesen auch in den kommenden Wochen und Monaten wieder einen festen Platz in meinem Alltag bekommt. Und vielleicht war dieser Beitrag ja auch für dich eine kleine Erinnerung daran, wie gut Bücher tun können.
Mein Bücherstapel ist zum Glück noch gut gefüllt, und ich freue mich auf viele weitere Lesestunden.
Geht es dir auch so? Es würde mich sehr freuen, wenn ich dich ein wenig inspirieren konnte.
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